Der Waschbär Effekt

In den letzten Jahren hatte ich ein ganzes Paket an interaktiven künstlerischen Prozessen durchgeführt. Zum Beispiel Thrill Snippets. Danach war ich in Bereichen tätig, die mir für diese Dinge mehr Klarheit verschaffen konnten. Das alles hat vor allem mit dem dritten Teil von Thrill Snippets, dem Roman "HIMMELANGST" zu tun. Es ist nämlich ein sehr seltsamer Effekt eingetreten, und selbst mein Bonus als Künstlerin dürfte verspielt sein, wenn ich es so berichte, wie es war. Das ist mir aber inzwischen wurscht. Wenn du trotzdem weiterlesen möchtest, bitteschön, das ist dann dein Bier.

Ich habe noch nie einen Roman geschrieben und wollte auch nie einen schreiben, aber es musste sein, weil es zu dem Projekt einfach passte. Schreiben ist eine meiner Stärken, ich habe eine visionäre Kraft, allerdings habe ich sonst mehr mit Bildern zu tun. Aber das, was nach der Veröffentlichung meines Romans geschehen ist, ist eine ganz andere Kategorie. Ich bin erst einmal zwei Jahre aus dem Kunstbetrieb ausgestiegen, um das Ganze zu verarbeiten und zu verstehen. Für das, was geschehen ist, gibt es Zeugen. Außer in meinem engsten Familienkreis gibt es noch den unmittelbar betroffenen Menschen, der davon berichten könnte, was ich aber vermeiden möchte. Insofern musst du, wenn du das hier liest, ein Minimum an Vertrauen mitbringen, um das überhaupt glauben zu können. Im Notfall kannst du auch Meister Zufall zu Hilfe rufen, falls es ihn denn gäbe. Falls du hier schon ein Problem hast, dann lies einfach nicht weiter. 

In diesem Blogartikel geht es um Nebenschauplätze. Wenn ein Nebenschauplatz zum Thema wird, ist das wichtig. Nicht nur für einen Künstler. Es bedeutet auch immer einen neuen Blick auf das zu richten, was man tut.

 

Worum geht es also hier: ich habe einen Roman geschrieben, in dem es die meisten Schauplätze wirklich gibt, die Figuren aber alle erfunden sind, bis auf eine. Und um diese geht es hier.

Es ist das Haus eines der Hauptprotagonisten, das ich sehr gut kenne und die Figur und der Mensch, der darin wohnt, sind miteinander beim Schreiben gedanklich verknüpft gewesen. Und zwar so, dass dieser Mensch dort in jüngeren Jahren agiert und gleichzeitig hatte ich immer den Bezug zur jetzigen Zeit im Blick. Den älteren und den jungen quasi gleichzeitig. Ich kann das nicht wirklich beschreiben, weil ich alles gleichzeitig wahrgenommen habe. Im Verlauf des Geschehens im Roman tauchte ein Waschbär auf. Ich habe ihn im Keller, im Haus und auf dem Dachboden agieren lassen und der Mann im Roman hatte ihn nie zu Gesicht bekommen. Er hatte nur die Geräusche gehört und Angst gehabt. Denn um die Angst geht es in diesem Buch. Gegen Ende des Romans begegnete er ihm dann doch noch auf seinem Speicher an einem genau definierten Platz.

Zwei Wochen nach Veröffentlichung des Romans wurde es Realität. Der Mann, dessen Umfeld und dessen Person ich im Roman mit eingebracht hatte, rief mich an und sagte: "Was hast du gemacht? Ich habe einen Waschbären im Haus. Tagelang höre ich es schon rumoren, ich dachte erst, es sind meine Katzen, und heute standen wir uns auf dem Speicher oben gegenüber. ich hatte richtig Angst. Das war ein großer Kerl."

 

Der Waschbär ist nach wenigen Tagen wieder weg gegangen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Karin Müller (Dienstag, 10 Januar 2017 16:58)

    Liebe Frau Spahlinger,

    Ihre Überlegungen und die Darstellung der Situation finde ich sehr interessant und inspiriert mich darüber nachzudenken. Die Folgen Ihres Buches sehe ich als ein Ergebnis eines ursprünglich eher unbewussten Experiments: wie programmiere ich meine Umwelt? Sie haben es in einer Weise getan, die es wahrscheinlich macht, so sehe ich das, dass das Ereignis aufgrund Ihrer Programmierung eingetreten ist. Versuchen Sie weitere eindeutige Experimente und berichten Sie uns.

    Wenn ich von der Wirkweise in diesem Fall überzeugt bin, frage ich mich, was wirkt noch alles auf uns? Das geht von "bin ich blöd?", über "ich glaube, ich werde krank" bis "ich werde Millionär". Da fällt mir auch die Merkelformel "das schaffen wir" ein. Vielleicht ist sie die einzige Möglichkeit gewesen, mit den unaufhaltsamen Menschenmassen zurecht zu kommen, indem grenzenloses Vertrauen in die Menschen und die Hilfe aus dem Universum ausgesprochen wurde? Es hat auf alle Fälle ein Zeit lang in der Gesellschaft gut gewirkt (100%). Jetzt wird das Programm als nicht mehr glaubwürdig angesehen und verliert an Kraft (30%). Welche Programme brauchen wir jetzt, um mit der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation klar zu kommen?

    Eine wichtige Forschungsarbeit wäre, wie schaffe ich es, ein Programm bis zu 100% "aufzuladen"? Wie könnte das geschehen? Da fällt mir schon wieder was ein: die Werbung kann es. Also brauchen wir Bilder, Filme, Radio, Internet und jede Menge Musik und Theater. Emotionales. Die Autowerbung als Beispiel: die freizügig angezogene, schöne lächelnde Frau, die am Auto lehnt. aktiviert die Hormone, schöne Musik steigert die Emotionen, Abenteuer mit dem Auto oder nur durch schöne Landschaften stimulieren Entspannung, alles ist mit diesem Auto möglich. Sogar der akustische Wiedererkennungswert von Marken, zum Beispiel der Ton beim Türen Schließen, wird heute direkt programmiert. Die Werbung wird mehrfach wiederholt bis sie real verankert ist in unserem Gehirn und bei der nächsten Gelegenheit, wenn der Kunde ein neues Auto braucht und an einem Autohaus vorbeikommt wird das Programm realisiert.
    Das geht ja noch. Aber wie ich mich erinnere, sind viele Kriege direkt einer Militärübung - mit der sich das ausgearbeitete Programm auf 100% aufladen lässt - gefolgt. Auch 9/11 "passierte" direkt im Anschluss an eine große nationale Verteidigungsübung, die genau das was passiert ist zum Thema gehabt haben soll. Programme könnten über Science Fiktion, Videospiele, Kinofilme und Großsportveranstaltungen (Bundesliga, Weltmeisterschaft..) weltweit mit Emotionen aufgeladen werden. Die reale Übung wäre dann nur das i-Tüpfelchen zur Realisation. Mir wird schwindelig.
    Vor allem wenn man sich die zukünftigen Großstädte, und wir sollen angeblich alle in Zukunft darin wohnen, was ich nicht glaube, anschaut. Mir gruselt.
    Ich fordere uns alle auf schöne Programme, die den Menschen ganzheitlich nützlich sind, zu entwerfen. Wir alle sollten bewusst werden und selbst unsere Filme überdenken und experimentieren. Auch sollten wir uns fragen, welchen Filmen von außen ich meine Aufmerksamkeit, meine Kraft geben möchte, denn damit trage ich zu deren Realisierung bei. Wir sollten manches Verhalten und Haltungen unter diesem Blickwinkel überdenken. JedeR Einzelne gestaltet mit, mit und ohne davon zu wissen. Bauen wir unsere Wirksamkeit für eine positive, harmonische Menschheitsentwicklung aus.
    Herzlichen Dank an Sie Frau Spahlinger für das Teilen Ihrer Erfahrung.
    Karin Müller